Flüchtlingsarbeit in Freiburg am Beispiel Mooswaldallee

Während der großen Flüchtlingswelle in Freiburg 2014/2015 sind in der Stadt Freiburg zahlreiche Flüchtlingswohnheime entstanden. Damals übernahm die Freiburger Bürgerstiftung die Patenschaft für zwei von ihnen, nämlich für die Mooswaldallee 10 und später dann für die Merzhauserstaße.
Im Vordergrund stand dabei in der ersten Zeit insbesondere die Notfallversorgung der Flüchtlinge mit Deutschkursen. Diese sogenannten „Erste Hilfe - Kurse“ sollten den Flüchtlingen eine erste sprachliche Orientierung im deutschen Sprachraum ermöglichen. Darüber hinaus bieten wir seit mehreren Jahren in ehrenamtlicher Arbeit Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere für Frauen und Kinder, aber auch Informationsveranstaltungen, die Flüchtlingsbelange thematisieren. Inzwischen blicken wir mit einigem Stolz auf 11 Ehrenamtliche mit Langzeitprojekten und auf zahlreiche punktuell helfende Unterstützer/innen.
Das kontinuierliche ehrenamtliche Engagement, sinnvoll verzahnt mit dem umfassenden Arbeitsfeld der leitenden Sozialarbeiterinnen vom DRK, hat sich ausgezahlt. Die Heimbewohner bringen uns Vertrauen entgegen, was sich auch atmosphärisch abbildet, z.B. bei dem monatlichen Flüchtlingscafe.

Das Flüchtlingscafe, häufig in Kombination mit einem kleinen Kleiderflohmarkt, bietet bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeit des Gesprächs untereinander, sowohl für die Heimbewohner als auch für die Ehemaligen, aber auch mit den Helfer/innen. Es ist inzwischen zum Selbstläufer geworden und kann immer wieder auch informativ genutzt werden.

Für die Kinder gibt es regelmäßige Angebote. So unterstützt die Immental-Stiftung schon seit längerem die Aktion: „Spiel, Kunst und mehr“, die immer wieder freudig aufgenommen wird, da sie auch einen Fixpunkt im Alltag der Kinder darstellt.

Für die oft als „langweilig“ empfundenen Ferien haben wir wiederholt umfangreiche Ferienprogramme ausgearbeitet, mit denen die ganze Familie angesprochen werden sollte. Sehr gut kam z.B. 2016 der Tagesausflug zum Schluchsee an. Schon die Zugfahrt war ein Reiseerlebnis und bei sommerlichen Temperaturen erwies sich natürlich der See als großer Anziehungspunkt. Für viele war dies der erste Ausflug in den Schwarzwald. Ein Gemeinschaftserlebnis, das in Erinnerung bleibt. Aber auch die Tiere des Mundenhofs wurden positiv aufgenommen. Theateraufführungen gehörten ebenso zum Angebot wie Spielaktionen. Geplant für den Herbst ist eine Bächle-Tour und ein gemeinsames Grillen.

Etwas geringer ist der Spaßfaktor bei der Hausaufgabenbetreuung, die nichts desto trotz regelmäßig in Anspruch genommen wurde. Eine in jeder Hinsicht sinnvolle Unterstützung.

Beliebt bei Alt und Jung ist auch die Fahrradwerkstatt. Hier können in regelmäßigen Abständen Reparaturen getätigt werden. Viele Leute haben Fahrräder gespendet, die aber naturgemäß reparaturbedürftiger als neue sind. Es ist insbesondere für Jugendliche attraktiv, an ihren eigenen Fahrrädern „herumzuschrauben“.

Auf nicht minder großes Interesse bei den Frauen stoßen Nähkurse und Handarbeitsangebote. Sie sind durchgängig gut besucht und zeichnen sich aus durch eine fröhliche und intime Atmosphäre. Dies gilt auch für den Töpferkurs, der vor allem von Frauen und Kindern besucht wird und überraschend kreative Produkte hervorbringt, die stolz präsentiert werden.

So wichtig die Kontinuität von alten sinnvollen Angeboten ist, hat sich gleichzeitig eine Akzentverschiebung bei den Bedürfnissen der Flüchtlinge ergeben, die zum Teil schon seit mehreren Jahren in der Mooswaldallee leben. Die Anfangsbetreuung ist in den Hintergrund getreten. Die meisten Heimbewohner wissen jetzt selber, wo es lang geht, haben eine gewisse Orientierung erlangt. Die Kinder sind schulisch hervorragend integriert und die sprachlichen Integrationskurse von Stadt, Land und Bund wurden überwiegend angenommen. Für die Freiburger Bürgerstiftung hieß das, dass individualisierterer Spracherwerb möglich wurde. Fortgeschrittene konnten individuell unterstützt werden, situative Hilfe vor Prüfungen konnte stattfinden, gezielte Sprachbetreuung, die auch auf persönliche Einschränkungen Rücksicht nimmt.

Der Akzent liegt nunmehr verstärkt auf den Themen „Arbeit“ und „Wohnen“. Auf großes Interesse stieß daher im September 2017 die Veranstaltung „Einstieg in die Arbeit“ mit Fadi Mhanna, die in arabischer Sprache mit zusätzlichen Dolmetschern im Wohnheim abgehalten wurde. Solche Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem „Amt für Migration und Integration“ sind nicht nur von großem Interesse für die Flüchtlinge, sondern dienen auch der Information der Helfer. Unsere ehrenamtliche Arbeit versteht sich gerade hier als Gelenkstelle zwischen den Flüchtlingen und den städtischen Institutionen. Information und persönliche Nähe ergänzen sich hier sinnvoll.

Persönliche Nähe ist auch erforderlich bei den Patenschaften. Sowohl was Vermittlung und Rückkopplung als auch was die Beziehung selbst betrifft zwischen den Paten und ihren Bezugspersonen. Patenschaften sind wohl mit das individuellste Hilfsangebot, von dem beide Seiten im Idealfall profitieren können.
Hier ist es uns gelungen ein ansehnliches Netzwerk an Beziehungen zu knüpfen.

Demgegenüber bleiben situationsgemäß die Erfolge bei der Wohnungssuche eher spärlich. Gerne würden wir weitere Wohnungen für sympathische Familien und Einzelpersonen finden.

Zu einer sinnvollen Zusammenarbeit gehört eine gute Koordination. Einmal, damit man sich bei den Helfer/innen nicht gegenseitig in der Arbeit aus dem Auge verliert und das Ganze sichtbar bleibt, aber zudem ist es wichtig, den Kontakt zu den leitenden Sozialarbeiterinnen und auch zu den städtischen Institutionen zu halten. Hier ist Netzwerk mehr als ein Wort.

Insgesamt kann man sagen: Das vielfältige Engagement der Ehrenamtlichen trägt wesentlich dazu bei, dass sich die Bewohner/innen in der Mooswaldallee, den Umständen entsprechend, wohlfühlen. Nicht nur die Flüchtlinge haben in den letzten drei Jahren viel Neues gelernt, auch wir haben wichtige Erfahrungen gemacht. Die anfängliche Euphorie, schnell etwas bewegen zu können, ist verflogen und weicht der Erkenntnis, dass Integration einen langen Atem braucht. Es ist ein langwieriger Prozess, der von den Ehrenamtlichen nur mit viel Geduld und großem zeitlichen Aufwand erfolgreich begleitet werden kann. Persönliche Begegnungen und Erfahrungen sind Belohnung und Antrieb, um ein schwerfälliges Rad weiterhin in Schwung zu halten.

In diesem Zusammenhang bedanken wir uns auch ganz herzlich für ihre Mithilfe und die vielen Sachspenden und wir hoffen auch für die Zukunft auf ihre Unterstützung, sei es bei Patenschaften, Einzelaktionen, Wohnungssuche, Arbeitsbeschaffung etc. Wir freuen uns über Ihre Anregungen, Spenden, Zeit – sprechen Sie uns an.

Seien Sie willkommen im Team der Ehrenamtlichen, denn erfolgreich ist man nur gemeinsam.

Kontakte:
Bärbel Fritzsche / Tel. 0761-287479 / befritzsche@gmx.de
Angela Klaßen / Tel. 0761-5569293 / a-klassen@t-online.de

 

 

 


 

       
 

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